35. Bad Camberger Festspiele
Pension Schöller
Autor: Carl Laufs und Wilhelm Jacoby
Genre: Boulevardkomödie
Regie: Timo Pfanzer
Inhalt
Die 35. Bad Camberger Festspiele brachten den Boulevardkomödienklassiker „Pension Schöller“ der Mainzer Komödienautoren Carl Laufs und Wilhelm Jacoby auf die Freilichtbühne im historischen Bad Camberger Amthof – in einer Inszenierung von Timo Pfanzer.
Gutsbesitzer Klapproth aus Camberg am Emsbach ist zu Besuch in Berlin, um „in der großen Stadt“ besondere Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. So möchte er zu gerne einmal von seinem Neffen Alfred, den er dafür finanziell bei einer Geschäftsgründung zu unterstützen verspricht, eine Berliner Irrenanstalt von innen gezeigt bekommen und echte Irre erleben. Alfreds Freund Ernst Kissling empfiehlt ihm, seinem Onkel doch die Pension Schöller zu zeigen, deren Gäste recht exzentrisch sind. Gutsbesitzer Klapproth, der die Gäste wirklich für verrückt hält, amüsiert sich prächtig. Allerdings eskaliert die Situation, als Klapproth, zurückgekehrt auf sein Gut in Camberg am Emsbach, von diesen vermeintlichen Irren besucht wird.
Wie das Ganze ausging, zeigte in herrlicher Weise das 19-köpfige Ensemble mit viel Komik, Witz und Schauspielkunst, sodass kein Auge vor Lachen trocken blieb. Meteorologisch trocken blieb es im Übrigen zwar an drei Aufführungen auch nicht, aber so etwas hält ein gestähltes Freilichtpublikum nicht ab und so konnten wir insgesamt 1961 Zuschauerinnen und Zuschauer begrüßen.
34. Bad Camberger Festspiele 2025
Der Besuch der alten Dame
Autor: Friedrich Dürrenmatt
Genre: Tragikomödie
Regie: Andreas Müller
Inhalt
Einen Klassiker der Weltliteratur präsentierte 2025 bei den Bad Camberger Festspielen das engagierte und spielfreudige Ensemble: Es war "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Dürrenmatts tragische Komödie wurde vom 15. bis 22. August im atmosphärischen Ambiente des historischen Amthofs aufgeführt.
In insgesamt sieben Vorstellungen zeigte das 16-köpfige Ensemble unter der Regie von Andreas Müller die packende Geschichte um Gerechtigkeit, Rache und menschliche Käuflichkeit – düster, komisch und aktuell zugleich.
Die Milliardärin Claire Zachanassian kehrt in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurück und bietet den Bewohnern eine Milliarde. Im Gegenzug fordert sie die moralisch indiskutable Ermordung ihres ehemaligen Geliebten Alfred Ill, der sie einst im Stich ließ. Obwohl die Einwohner das Angebot zunächst empört ablehnen, verfallen sie rasch der Gier und verschulden sich für Luxuswaren ob des baldigen Geldsegens. Schließlich töten sie Ill gemeinschaftlich, behaupten die Tat als offizielle Gerechtigkeit und nehmen den Scheck entgegen.
Ein Theaterabend, der unter die Haut ging – intensiv, tragikomisch, zeitlos und vom Publikum frenetisch gefeiert.
33. Bad Camberger Festspiele 2024
Der zerbrochene Krug
Autor: Heinrich von Kleist
Genre: Lustspiel
Regie: Wolf Dieter Knapp
Inhalt
Kleists "Der zerbrochene Krug" ist ein wahres Lustspiel und eines seiner bekanntesten Werke. Die Komödie ist im Original in Blankversen verfasst und gehört zum Kanon der deutschen Literatur, ist weit verbreitete Schullektüre und diente mehrfach als Vorlage für Opern und Filme.
Im Mittelpunkt des 1685 spielenden Stückes, lokal begrenzt auf eine Gerichtsstube in Huisum, einem fiktiven niederländischen Dorf in der Provinz Utrecht, steht der titelgebende zerbrochene Krug, welcher der Frau Marthe Rull gehört. Sie beschuldigt Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, am vorherigen Abend den Krug in ihrem Haus zerstört zu haben. Ruprecht hingegen versichert, dass ein Fremder ins Haus eingebrochen sei und dieses fluchtartig durch ein Fenster verlassen habe, wobei er den Krug vom Fensterbrett gestoßen habe. Gerichtsschreiber Licht überrascht Richter Dorfrichter Adam morgens beim Verbinden frischer Wunden. Adam erklärt, beim Aufstehen gestrauchelt und gegen den Ofen gefallen zu sein. Licht gibt sich damit einstweilen zufrieden. Da lässt sich Gerichtsrat Walter melden. Er ist aus Utrecht entsandt, um Gerichtskassen und Akten zu prüfen. Adam gerät in Panik, zumal seine richterliche Perücke verschwunden und kein Ersatz zur Hand ist. Obendrein ist auch noch Gerichtstag: Klägerin, Beklagter und Zeugen warten schon vor der Tür. Der Richter ahnt, weshalb sie gekommen sind. Nun ist Richter Adam wie einst König Ödipus gezwungen, über eine Tat zu richten, in die er selbst verwickelt ist. Doch im Unterschied zum antiken Helden weiß er das von vornherein; ebenso, dass die Tat eine Schandtat ist und er selbst wohl ein Schurke. Entsprechend unternimmt er alles, was in seiner Macht steht, um die Aufklärung des Falls, bei dem außer dem Krug auch ein Verlöbnis entzweiging, zu verhindern. Ob ihm das alles gelang und besonders: wie geistreich - oder auch nicht - er sich aus der Affäre ziehen kann, hat unser Publikum im Amthof entzückt erfahren und dem Spiele und Stücke reichlich Applaus gegeben, zumal vor Lachen kein Auge trocken blieb. Kleist hätt's gefallen.
32. Bad Camberger Festspiele 2023
Zeus & Consorten
Autor: Ingo Sax
Genre: Ein historischer Spaß
Regie: Timo Pfanzer
Inhalt
Es ist eine Satire. Ein urkomisches Stück. Ein Stück, dass viel von der Komik-Art, sagen wir mal, Monty Pythons hat und einem „Leben des Brian“ vielleicht näher steht als die erhabene Kulisse des antiken Athen erwarten ließe. Und ein Stück das mit folgender Fragestellung weit über dem Himmel besagter Stadt beginnt: Was machen die Götter, wenn sie die Welt erschaffen haben, alle Pflanzen, Tiere, Menschen und was sonst noch so dazugehört? - Antwort: Sie langweilen sich. Denn eigentlich sind sie arbeitslos und das ist ziemlich hart, wenn man unsterblich ist. Den Göttern des alten Griechenlands fällt auf dem Olymp die Decke auf den Kopf, es gibt nur noch Zank, Streit und Eifersucht, also muss ein bisschen Abwechslung her und man beschließt, einen Betriebsausflug nach Athen zu machen.
Das wiederum lässt sich zunächst recht vergnüglich an, man gibt sich als Touristen aus und wird nicht weiter beachtet. Doch der Bildhauer Pygmalion hat eine Statue gemeißelt, in die er sich heillos verliebt, der kleine Fetischist, er fleht in den Himmel hinein Hera an, sie lebendig werden zu lassen und aus einer Laune heraus lässt die, tatsächlich neben ihm stehende, Göttin das Wunder geschehen. Leider ist diese neue Frau alles andere als das, was sich der Herr Bildhauer und auch die Athener Politik gewünscht haben. Dazu muss man noch gesagt sein: gleichzeitig gibt es fast keine Männer in Athen, alle sind mal wieder im Krieg, um Heldenruhm zu erwerben, was halt der alte Grieche so den lieben langen Tag zu tun pflegte, und die Arbeit liegt bei den Frauen, die aber sonst nicht viel zu sagen haben.
Die animierte Statue nennt sich selbst Lysistrata und zettelt erstmal eine gehörige Frauenrevolte an, gegen die selbst der gerissene Politiker Perikles kein Mittel weiß. Wir sehen am Personal: ein buntes Potpourri von illustren und irgendwie schon mal gehörten Namen, deren Zusammenspiel jedem Geschichtslehrer den Angstschweiß auf die Stirne treibt.
Zeus, der munter mit einer jungen Athenerin, nennen wir es mal, anbandelt, kriegt auch eins auf die Mütze und wie üblich Krach mit Hera. Eros ist sauer, es gibt nichts, worauf er schießen kann. Ares ist am falschen Ort, der Krieg wird woanders geführt. Und als Zeus wegen Beamtenbeleidigung auch noch verhaftet werden soll, ist das Chaos perfekt.
Es ist ein Stück, das in alter Zeit spielt, aber durchsetzt ist mit Anspielungen und dem Wahnsinn unserer Gegenwart, und aufzeigt, dass sich in 2400 Jahren so viel auch nicht geändert hat. Sarkastisch, ironisch, überdreht, sehr im Stile der englischen Komikertruppe Monty Python, mit schwarzem Humor und einen Lacher nach dem anderen provozierend - das Publikum im Amthof hatte in jedem Fall bei angenehm warmen Sommerwetter seinen Spaß und viel Freude an unserer Inszenierung von "Zeus & Consorten".